„Wir wollen aktiv an dieser Gesellschaft mitwirken“: Ein Geflüchteter schreibt an Deutschland

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Mofeed Abdalla aus Syrien wohnt seit zwei Jahren in Deutschland und seit einem Jahr in Fulda. In seiner Freizeit engagiert er sich ehrenamtlich für Welcome In. Mit ein wenig sprachlicher Hilfe hat er einen Brief geschrieben, in dem er sein Wort an Deutschland und insbesondere an seine jetzige Heimatstadt richtet:

Liebe Deutsche, liebe Fuldaer,

mein Name ist Mofeed Abdalla, ich komme aus Syrien und wohne seit zwei Jahren in Deutschland und seit einem Jahr in Fulda. Diese Zeit war für mich sehr schwierig, aber ich habe währenddessen sehr viel gelernt und ich möchte euch das gerne erklären. Ich will etwas tun, damit wir uns besser verstehen lernen.

Ich habe eine neue Sprache gelernt. Ich habe gelernt, wie man den anderen akzeptiert, egal welcher Religion man angehört, welche Hautfarbe man hat oder aus welchem Land man kommt. Ich habe gelernt, in das Gesicht von mir fremden Menschen zu lächeln, auch wenn ich sie noch nicht kenne. Ich habe viel über die Gesetze, Bräuche und Traditionen in diesem Land gelernt.

Ich habe gelernt wie schön es ist, in Frieden und Freiheit leben zu können, seine Meinung frei äußern und frei wählen zu können. In Syrien wurden so viele Seelen geopfert, gerade für uns sind diese Freiheiten neu und wie ein Segen.

Ich weiß, dass wir die Gelegenheit nutzen sollen, die dieses Land uns gegeben hat. Wir wollen uns integrieren und Hand in Hand mit euch eine gemeinsame und bessere Zukunft aufbauen.

Aber nach der Wahl haben wir gemerkt, dass einige von euch nicht wollen, dass wir hier weiterleben, sondern dass wir in unsere Heimat zurückkehren. Aber diese Menschen haben uns gar nicht zugehört, sie wissen gar nicht, was wir alles verloren haben in unserem Leben. Aber unsere Träume haben wir nicht verloren, und diese Träume wollen wir verwirklichen. Wir wollen aktiv an dieser Gesellschaft mitwirken.

Ich möchte mit diesem Brief gerne den Menschen die Hand reichen, die vor uns Angst haben. Wir haben auch Angst vor euch, aber wir müssen diese Angst überwinden. Wir sind nicht freiwillig oder aus wirtschaftlichen Gründen hier gelandet. Wir wurden gezwungen, unser altes Leben aufzugeben. Wir möchten, dass wir friedvoll zusammenleben und zueinander stehen, weil wir zusammen stärker sind. Wir schaffen das alles nicht alleine, sondern nur zusammen.

Ich hoffe, dass ihr mich verstehen könnt. Bitte habt keine Vorurteile über uns, wir sind alle ganz unterschiedliche Menschen, so wie ihr auch. Wir brauchen eure Unterstützung und ein bisschen Zeit, damit alles seinen Gang nehmen kann.

Ich danke euch für alles und ich wünsche euch alles Gute!

Mofeed Abdalla

 

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