Warum sich Welcome In am Donnerstag (29.09.16) nicht an der Demo „Jugend gegen Rassismus“ beteiligt

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Im letzten April fand bereits eine Demonstration unter dem Motto „Jugend gegen Rassismus“ statt,  bei der mehrere unserer Ehrenamtlichen mitliefen und einer von ihnen einen Redebeitrag hielt. Auch diesen September 2016 wird wieder zu einer antirassistischen Demo aufgerufen. Doch dieses Mal haben wir uns dagegen entschieden, uns einzuklinken. Wieso?

Ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen, ist eine gute und dringend notwendige Sache. In unserer alltäglichen Arbeit mit Asylsuchenden stoßen wir immer wieder auf strukturelle Missstände in Politik und Behörden und teils ablehnende Haltungen und Vorurteile innerhalb der Bevölkerung. Auch die zunehmende Zahl an rechtsmotivierten Anschlägen gegen Asylunterkünfte beobachten wir mit Sorge – das BKA zähle in den ersten acht Monaten diesen Jahres 118 solcher Gewaltdelikte!

Rassismus zu ignorieren wäre also fatal. Doch ebenso ist es unserer Meinung nach verzerrend,  Rassismus auf „den Klassenkampf“ zurückzuführen oder Fluchtursachen auf einen „deutschen Imperialismus“ zu verkürzen. Solche und andere problematische Parolen (etwa bezüglich des Nah-Ost-Konflikts) sind uns im Rahmen der letzten Demonstration im Frühling sauer aufgestoßen. Diesen Statements möchten wir keine Bühne geben.

Stattdessen setzen wir auf Dialog und eine nachhaltige Öffentlichkeitsarbeit. Wir möchten Sprachrohr für die Interessen von Geflüchteten sein und machen durch Workshops oder Vorträge auf ihre Lebenssituation aufmerksam. Wir erzählen Bürger*innen von unseren positiven Erfahrungen aus unseren sozialen Aktivitäten. Und wir fördern durch Projekte wie dem „Wohnzimmer“ die Begegnung von Menschen mit und ohne Fluchterfahrung – der bekanntlich beste Weg, um Vorurteile abzubauen.

Nach einer schwierigen Abwägung von diesen inhaltlichen Differenzen einerseits und dem gemeinsamen Ziel andererseits, haben wir also unseren Standpunkt gewechselt: Wir als Initiative werden uns nicht an der Demonstration beteiligen. Da uns die Entscheidung nicht leicht fiel, interessiert uns auch eure Meinung dazu: Warum geht ihr zu der Demo? Warum nicht? Wo erlebt ihr Rassismus und wie kann man sich eurer Meinung nach effektiv dagegen stark machen?

Wir sind gespannt auf eure Rückmeldung per Mails meinung@welcome-in.org! Und vielleicht hat der ein oder die andere Lust, sich persönlich mit uns auszutauschen oder unsere Projekte tatkräftig zu unterstützen? Diejenigen laden wir herzlich zu unserem nächsten Stammtisch ein:

>> Donnerstag, der 6. Oktober ab 18:30 im „Rädchen“ (Karlstraße 25)