Auszeichnung mit dem Integrationspreis der Stadt Fulda

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Wir sind unglaublich stolz, den ersten Platz des Fuldaer Integrationspreises der Stadt Fulda gewonnen zu haben. Die damit verbundene Wertschätzung und ein Preisgeld von 2.000 € stimmt uns euphorisch und zuversichtlich.

 

Unsere beiden Aktiven Ali und Vera haben eine kurze Rede gehalten. Hier ist sie (fast) im Wortlaut.

Ali: „Sehr geehrte Damen und Herren. Ich bin Ali Aldulami. Ich komme aus dem Irak. Ich bin seit fünfzehn Monaten hier in Deutschland. Als ich nach Deutschland angekommen bin, ich konnte ich noch kein Wort sprechen. Ich kannte niemanden. Alles war neu: neues Land, neue Sprache, neue Leute und auch eine neue Kultur. Ich brauchte jemanden, der mir hilft. Ein großes Land und ich bin alleine. Es hatte am Anfang keine Schule. Ich versuchte Deutsch zu lernen, aber ich konnte das nicht alleine. Dann bin ich nach Fulda angekommen, in die Frankfurter Straße. Dort habe ich gehört, es gibt eine Gruppe, die heißt Welcome In und die haben verschiedene Projekte, wie die Deutschkurse. Dann bin ich einfach hingegangen und habe gefragt, ob ich Deutsch dort lernen kann. Die Leute waren sehr, sehr nett und haben mir geholfen und zusammen mit mir Deutsch geübt. Und es gibt auch das Mittwochscafé, das ist auch ein Welcome In-Projekt. Die Leute sitzen dort gemeinsam, haben Spaß und spielen und hat jemand ein Problem oder eine Frage, er kann einfach zu den Leuten gehen und sie fragen: „was soll ich machen?“ Die Leute waren offen und haben uns geholfen. Das fand ich sehr schön. Zum Glück habe ich jetzt eine Schule gefunden und dort habe ich weiter Deutsch gelernt. Am Anfang war ich alleine. Aber jetzt ich habe eine große Familie, wirklich. Vielen Dank (Applaus). Ich wollte noch etwas sagen. Wir, als Flüchtlinge, wir möchten auch etwas für Deutschland machen – nicht nur faul auf dem Sofa sitzen. Das Land hat uns geholfen und wir müssen etwas zurückgeben. Wir als Flüchtlinge wir sind aktiv, wir haben Energie. Wir brauchen nur etwas Hilfe, dann können wir alles zusammen machen!“ (Applaus)

Vera: „Was Ali angedeutet aber nicht gesagt hat, ist dass er auch ein sehr aktives Mitglied ist, insbesondere beim Wohnzimmer. Er macht wirklich tolle Fortschritte. Er hat jetzt ein Studium gefunden und zieht bald in eine WG ein. Solche Nachrichten machen uns eine große Freude.

Genauso wie Ali, können wir als Initiative auf viele Erfolge zurückblicken. Welcome In gibt es schon seit 2009 in Fulda. Ich selber bin vor etwa vier Jahren dazu gestoßen. Da waren wir noch eine recht kleine Gruppe mit etwa einem Dutzend Engagierter. Unsere Bewegung ist seit dem auf rund 100 Ehrenamtliche angewachsen. Und wir bieten mittlerweile ein breites Spektrum an Aktivitäten an. Das reicht von den Deutschkursen und dem Mittwochscafé, von dem Ali schon erzählt hat, bis zu der Asylberatung, einem Frauenprojekt, Sport- und Freizeitaktivitäten, einem Patenprojekt, Öffentlichkeitsarbeit und seit 2015 auch unser Wohnzimmer.

Was aber viel entscheidender ist, dass unsere Gruppe ist nicht nur größer geworden ist, sondern auch bunter. Das sehen Sie hier ja selbst. Wir sind lang nicht mehr nur eine Initiative, die aus Einheimischen, aus Deutschen besteht. Viele unserer Mitwirkenden haben mittlerweile eigene Fluchterfahrung. Ich denke, genau das zeichnet Welcome In aus. Augenhöhe ist für uns keine Floskel. Wir arbeiten Hand in Hand zusammen, wir werden gute oder sogar beste Freunde und können daraus ganz viel neue Kraft und neu Ideen schöpfen.

Eine unserer größten Herzensangelegenheiten und, man kann sagen, das Flaggschiff unserer Projekte ist unser Wohnzimmer. Das soll nicht nur allen Projekten von Welcome In ein neues Zuhause geben. Sondern das ist ein Begegnungsraum, der allen in Fulda offen stehen wird – egal ob mit oder ohne Flucht- oder Migrationserfahrung. So sind wir zuversichtlich, dass wir die Integrationslandschaft in Fulda mit einer ganz neuen Qualität gestalten und bereichern können.

Auf diesem Weg liegen jedoch auch einige Steine und Hürden.  Es wurde ja schon angesprochen: in der Flüchtlingsarbeit passiert ein großer Teil ehrenamtlich – auch bei uns. Und so stoßen wir auch immer wieder an die Grenzen des Machbaren. Wir sind deswegen ganz erpicht darauf, uns weiter zu professionalisieren, in dem wir hauptamtliche Stellen bei uns schaffen. Jetzt gerade suchen wir händeringend nach einer Anschlussfinanzierung für die befristete Stelle unseres Wohnzimmer-Projektkoordinators.

Was uns alle derzeit sehr mitnimmt ist, dass viele unserer Freunde, insbesondere Afghanen, Ablehnungen erhalten. Afghanistan ist eindeutig ein unsicheres Kriegsland und die Betroffenen, mit denen wir in Kontakt stehen, haben handfeste Fluchtgründe. Unserer Einschätzung nach geht die Politik hier unverantwortlich mit Menschen, ja mit Menschenleben um. Das lässt uns derzeit verunsichert, enttäuscht und  teilweise wütend zurück. (Applaus)

Herr Wingenfeld, Sie haben es angesprochen: das Klima der Angst und Abschottung. Das nehmen auch wir war. Wir haben die Befürchtung, dass sich das im Bundestagswahlkampf weiter zuspitzen wird. Auf diese Entwicklungen haben wir eigentlich einfache Antworten! Wir setzen uns dafür ein, dass Geflüchtete die Möglichkeit bekommen, für sich selbst zu sprechen und dafür dass ihre Stimme gehört wird. Wir rufen auch auf zu mehr Empathie auf. Auch wenn es schwierig und vielleicht unmöglich ist: wir müssen versuchen, uns hineinzuversetzen in die Lage von Menschen, die ihr Land verlassen mussten und sich hier eine neue Existenz aufbauen.In unserem, ich sag mal, Mikrokosmus „Welcome In“ haben wir wirklich hautnah erlebt, dass geflüchtete Menschen eine riesen Zugewinn sind! Nicht nur für unsere Arbeit, die dadurch eine ganz neue Qualität bekommen hat. Auch persönlich und emotional – durch die vielen engen Freundschaften, die entstanden sind, spüren wir, was für eine Bereicherung diese Menschen für uns sind. Diese positiven Erfahrungen möchten wir an ganz Fulda, ja die ganze Welt herausstahlen. Wir möchten weitere Räume für Begegnung öffnen. Wir laden alle sehr herzlich in unser hoffentlich bald eröffnetes Wohnzimmer ein. Wir laden Sie ein, uns kennenzulernen und sich vielleicht unserer (nicht mehr ganz so kleinen) Bewegung anzuschließen.

Zuletzt ein großes Dankeschön an alle einzelnen Personen und Organisationen, die uns bis hier hin auf dem Weg unterstützt haben. Einige von ihnen sitzen heute hier. Auch ein großes Dankeschön an die Stadt Fulda, die uns auf vielen Weisen unterstützt. Danke für diesen Preis und die damit verbundene Wertschätzung. Wir sind ganz zuversichtlich dass wir zukünftig gut zusammenarbeiten und so einiges positives hier in Fulda bewirken können. Dankeschön.“